Gehirn & Wissenschaft · 5 Min. Lesezeit

Verändern Pornos das Gehirn? Die Studie, die alle zitieren

„Pornos lassen das Gehirn schrumpfen“ war 2014 eine große Schlagzeile. Was die Berliner Studie wirklich gemessen hat, und was nicht.

Kurz gesagt
  • Kühn und Gallinat (2014) fanden bei 64 Männern: Mehr Pornokonsum ging mit weniger Volumen in einem Teil des Belohnungssystems einher.
  • Die Studie zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache. Es könnte auch umgekehrt sein.
  • Für dich zählt weniger die Hirnanatomie als die Frage, ob du die Kontrolle hast.

Im Jahr 2014 ging eine Studie aus Berlin um die Welt. Die Schlagzeilen: „Pornos lassen das Gehirn schrumpfen.“ Die Studie gibt es wirklich. Die Schlagzeile geht aber weiter, als die Daten erlauben.

Was gemessen wurde

Simone Kühn und Jürgen Gallinat vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung untersuchten 64 gesunde Männer zwischen 21 und 45 Jahren im Hirnscanner. Ergebnis: Je mehr Stunden Pornos die Männer pro Woche angaben, desto geringer war das Volumen der grauen Substanz im rechten Nucleus caudatus, einem Teil des Belohnungssystems. Außerdem war die Verbindung zwischen diesem Bereich und dem präfrontalen Kortex schwächer, der für Planung und Selbstkontrolle wichtig ist.

Was das nicht beweist

Die Studie war eine Momentaufnahme. Sie kann nicht zeigen, ob Pornos das Gehirn verändert haben oder ob Männer mit dieser Hirnstruktur eher viel Pornos schauen. Die Autoren selbst haben genau darauf hingewiesen. Außerdem war die Gruppe klein, und ähnliche Unterschiede finden sich auch bei anderen Belastungen. „Schrumpfen“ ist also eine Vereinfachung.

Dopamin einfach erklärt

Dopamin ist kein Glückshormon, sondern eher ein Wollen-Botenstoff. Es treibt dich zu dem, was dein Kopf als lohnend gelernt hat. Pornos im Internet liefern endlos Neues mit einem Klick, ideal, um dieses System immer wieder anzustoßen. Das Gehirn ist aber anpassungsfähig, auch in die andere Richtung. Wer neue Gewohnheiten aufbaut, trainiert neue Wege.

Was das für dich heißt

Du musst nicht auf den endgültigen Beweis aus dem Hirnscanner warten. Die entscheidende Frage ist: Hast du die Kontrolle, oder hat sie der Autopilot? Genau dafür steht Dopa in der App. Am Anfang ist dein Dopamin laut und unruhig, mit jedem sauberen Tag wird es ruhiger.

Häufige Fragen

Lassen Pornos das Gehirn schrumpfen?

Eine Studie mit 64 Männern fand einen Zusammenhang zwischen mehr Konsum und weniger Volumen in einem Teil des Belohnungssystems. Ob Pornos die Ursache sind, zeigt sie nicht.

Was hat Dopamin mit Pornos zu tun?

Dopamin treibt das Wollen an. Endlos neue Inhalte stoßen dieses System immer wieder an.

Erholt sich das Gehirn?

Das Gehirn ist anpassungsfähig. Neue Gewohnheiten trainieren neue Wege, wie lange das dauert, ist individuell.

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Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Wenn du stark leidest oder Gedanken hast, dir etwas anzutun, wende dich an die Telefonseelsorge (0800 111 0 111, kostenlos, rund um die Uhr) oder an eine Ärztin oder einen Arzt.

Quellen

  1. Kühn, S., & Gallinat, J. (2014). Brain Structure and Functional Connectivity Associated With Pornography Consumption: The Brain on Porn. JAMA Psychiatry, 71(7), 827–834. doi.org/10.1001/jamapsychiatry.2014.93