Pornosucht · 7 Min. Lesezeit

Hilfe bei Pornosucht: Welche Wege es gibt und was sie kosten

Hilfe bei Pornosucht reicht von Selbsthilfe und Apps über Suchtberatung bis zur Psychotherapie. Was es gibt, was es kostet und wie du den ersten Schritt machst.

Kurz gesagt
  • Nur 4 bis 10 Prozent der Betroffenen haben laut einer großen Studie je Hilfe gesucht, oft wegen Scham oder Kosten.
  • Suchtberatungsstellen findest du über das Suchthilfeverzeichnis der DHS, die psychotherapeutische Sprechstunde braucht keine Überweisung.
  • In einer randomisierten Studie sank der Konsum mit Akzeptanz- und Commitment-Therapie um 93 Prozent.

Sich Hilfe zu holen, fühlt sich bei diesem Thema besonders schwer an. Wem soll man das erzählen, ohne vor Scham im Boden zu versinken? Die gute Nachricht: Es gibt mehr Möglichkeiten, als die meisten denken, und viele davon sind anonym oder kostenlos.

Du bist nicht der Einzige, der zögert

In der International Sex Survey mit über 82.000 Teilnehmenden hatten nur 4 bis 10 Prozent der Menschen mit problematischem Konsum jemals Hilfe gesucht. Weitere 21 bis 37 Prozent wollten es, taten es aber nicht, häufig wegen der Kosten (Bőthe u. a., 2024). Dieses Zögern ist also normal. Es lohnt sich trotzdem, es zu überwinden.

Stufe 1: Selbsthilfe

Für viele ist der erste Schritt, es allein zu versuchen, und das funktioniert für einige gut. Hilfreich sind vor allem:

  • Auslöser kennen: Wann, wo und in welcher Stimmung passiert es? Mehr dazu im Artikel Trigger erkennen.
  • Hürden einbauen: Handy nachts aus dem Schlafzimmer, Seiten sperren, riskante Apps abschirmen.
  • Wenn-dann-Pläne: Vorher festlegen, was du im schwierigen Moment tust. Die Methode hat in einer Meta-Analyse einen mittleren bis großen Effekt auf das Erreichen von Zielen gezeigt (Gollwitzer und Sheeran, 2006).

Einen ausführlichen Überblick findest du unter Mit Pornos aufhören: 7 Strategien.

Stufe 2: Apps

Apps können Struktur geben: Fortschritt sichtbar machen, im Moment des Drangs eingreifen und an dein Warum erinnern. Sie sind kein Ersatz für Therapie, wenn du stark leidest, aber für viele ein guter Einstieg, weil sie anonym und jederzeit verfügbar sind. Einen fairen Vergleich findest du im Artikel zu Apps zum Aufhören.

Stufe 3: Mit jemandem reden

Allein schon das Aussprechen kann viel Druck nehmen. Das kann eine Freundin sein, ein Freund, die Partnerin oder der Partner. Wenn dir das zu nah ist, gibt es anonyme Wege:

  • Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, kostenlos, anonym und rund um die Uhr. Nicht nur für Krisen, sondern auch, wenn dich etwas belastet.
  • Sucht & Drogen Hotline: 01806 313031, täglich von 8 bis 24 Uhr, 20 Cent pro Anruf. Sie berät zu Suchtproblemen und vermittelt an Hilfe vor Ort.

Stufe 4: Suchtberatungsstellen

Viele wissen nicht, dass Suchtberatungsstellen nicht nur bei Alkohol oder Drogen helfen. Im Suchthilfeverzeichnis der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) kannst du nach Postleitzahl suchen und unter anderem nach dem Thema „Problematische Mediennutzung“ filtern. Die Beratung dort ist laut Techniker Krankenkasse in der Regel kostenlos und vertraulich. Ruf vorher kurz an und frag, ob sie auch zu Pornos beraten. Nicht jede Stelle hat dazu Erfahrung.

Stufe 5: Psychotherapie

Wenn der Leidensdruck hoch ist, du schon vieles versucht hast oder weitere Belastungen wie Depression oder Angst dazukommen, ist Psychotherapie der richtige Weg.

In Deutschland kannst du als gesetzlich Versicherter ohne Überweisung eine psychotherapeutische Sprechstunde vereinbaren. Termine vermittelt die Terminservicestelle unter 116117, auch online und per App (Bundesministerium für Gesundheit). Du kannst dich auch direkt an Praxen wenden.

Was wirkt?

Es gibt noch wenige gute Therapiestudien zu diesem Thema. Eine der wichtigsten ist die randomisierte Studie von Crosby und Twohig (2016). Sie testeten zwölf Sitzungen Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Der Konsum sank in der Therapiegruppe um 93 Prozent, in der Wartegruppe um 21 Prozent. Die Stichprobe war klein und sehr religiös, die Richtung ist trotzdem ermutigend. Im Kern lernst du bei ACT, Drang und Gedanken wahrzunehmen, ohne ihnen zu folgen, und nach deinen Werten zu handeln.

So bereitest du das erste Gespräch vor

Viele schieben den Anruf oder Termin vor sich her, weil sie nicht wissen, was sie sagen sollen. Es hilft, sich vorher ein paar Stichpunkte zu notieren:

  • Seit wann beschäftigt dich das Thema?
  • Wie oft und in welchen Situationen schaust du?
  • Was hast du schon versucht, und was ist dabei passiert?
  • Was belastet dich am meisten: Zeit, Schlaf, Beziehung, Scham?
  • Was wünschst du dir: aufhören, reduzieren, besser verstehen?

Du musst nicht alles auf einmal erzählen. Ein Satz wie „Ich habe das Gefühl, meinen Pornokonsum nicht mehr im Griff zu haben“ reicht für den Anfang. Fachleute in Beratung und Therapie sind dafür da, solche Sätze ohne Urteil anzuhören.

Was die Wege kosten

  • Selbsthilfe: kostenlos.
  • Apps: oft eine kostenlose Basis, mehr Funktionen meist im Abo.
  • Telefonseelsorge: kostenlos. Sucht & Drogen Hotline: 20 Cent pro Anruf.
  • Suchtberatungsstellen: in der Regel kostenlos.
  • Psychotherapie: Die Sprechstunde zahlt die gesetzliche Krankenkasse, wenn die Praxis über die Kasse abrechnet. Bei privater Versicherung oder Selbstzahlung frag vorher nach den Kosten.

Was das für dich heißt

Du musst nicht mit der größten Stufe anfangen. Wichtig ist nur, dass du überhaupt anfängst, und dass du dir mehr Hilfe holst, wenn es allein nicht reicht. Das ist kein Scheitern, sondern ein kluger Schritt. Wenn du unsicher bist, wo du stehst, hilft dir der Artikel Pornosucht erkennen.

Dopawise ist für viele der erste, anonyme Schritt: ruhig, ohne Scham und jederzeit da. Und wenn du merkst, dass du mehr brauchst, ist die App ein guter Begleiter neben Beratung oder Therapie.

Häufige Fragen

Wohin kann ich mich bei Pornosucht wenden?

Erste Anlaufstellen sind Suchtberatungsstellen, die du über das Suchthilfeverzeichnis der DHS findest, die Sucht & Drogen Hotline oder die Telefonseelsorge. Bei starkem Leidensdruck ist eine psychotherapeutische Sprechstunde sinnvoll, die du über 116117 vereinbaren kannst.

Zahlt die Krankenkasse eine Therapie bei Pornosucht?

Die psychotherapeutische Sprechstunde zahlt die gesetzliche Krankenkasse. Ob eine längere Therapie übernommen wird, hängt davon ab, ob eine behandlungsbedürftige psychische Störung festgestellt wird. Das klärt die Therapeutin oder der Therapeut mit dir.

Kann ich mir anonym Hilfe holen?

Ja. Die Telefonseelsorge ist anonym und kostenlos, und auch viele Suchtberatungsstellen beraten vertraulich. Apps wie Dopawise funktionieren ohne Klarnamen und können ein erster Schritt sein.

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Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Wenn du stark leidest oder Gedanken hast, dir etwas anzutun, wende dich an die Telefonseelsorge (0800 111 0 111, kostenlos, rund um die Uhr) oder an eine Ärztin oder einen Arzt.

Quellen

  1. Bőthe, B. u. a. (2024). Problematic pornography use across countries, genders, and sexual orientations: Insights from the International Sex Survey. Addiction, 119(5), 928–950. researchonline.ljmu.ac.uk/id/eprint/22192/
  2. Gollwitzer, P. M., & Sheeran, P. (2006). Implementation intentions and goal achievement: A meta-analysis of effects and processes. Advances in Experimental Social Psychology, 38, 69–119. doi.org/10.1016/S0065-2601(06)38002-1
  3. Crosby, J. M., & Twohig, M. P. (2016). Acceptance and Commitment Therapy for Problematic Internet Pornography Use: A Randomized Trial. Behavior Therapy, 47(3), 355–366. doi.org/10.1016/j.beth.2016.02.001
  4. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG): Sucht & Drogen Hotline 01806 313031, täglich 8 bis 24 Uhr, 0,20 € pro Anruf. www.bioeg.de/service/infotelefone/sucht-drogen-hotline/
  5. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS): Suchthilfeverzeichnis, Suche nach Postleitzahl und Thema, u. a. „Problematische Mediennutzung“. www.dhs.de/service/suchthilfeverzeichnis
  6. Techniker Krankenkasse: Suchtberatung, der erste Schritt. www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/sucht/suchtberatung-der-erste-schritt-2016042
  7. Bundesministerium für Gesundheit: Psychotherapeutische Sprechstunde (ohne Überweisung, Terminservicestelle 116117). www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/p/psychotherapeutische-sprechstunde