Selbstbefriedigung: Wie oft ist normal, und wann wird es ein Problem?
Selbstbefriedigung wie oft ist normal? Was die Sexualmedizin sagt, warum es keine richtige Zahl gibt, wann es zum Problem wird und wo du Hilfe findest.
- Selbstbefriedigung ist laut Fachgesellschaften für Sexualmedizin normal und nicht schädlich. Eine „normale“ Häufigkeit gibt es nicht.
- Zum Problem wird es nicht durch eine Zahl, sondern durch Kontrollverlust, Leidensdruck oder Folgen im Alltag.
- Masturbation und Pornokonsum sind zwei verschiedene Dinge. Viele wollen eigentlich nur die Pornos loswerden.
„Selbstbefriedigung wie oft ist normal?“ Diese Frage wird sehr häufig gesucht, meist anonym und oft mit einem unguten Gefühl. Die gute Nachricht vorweg: Die Frage ist verständlich, aber die Zahl, nach der du suchst, gibt es nicht. Wichtiger ist eine andere Frage, und die schauen wir uns hier an.
Selbstbefriedigung ist normal
Die International Society for Sexual Medicine (ISSM), eine internationale Fachgesellschaft für Sexualmedizin, beschreibt Selbstbefriedigung als natürliche Aktivität, die die meisten Menschen irgendwann in ihrem Leben praktizieren. Sie kann Spannung lösen und helfen, den eigenen Körper und die eigenen Vorlieben kennenzulernen.
Wie verbreitet sie ist, zeigt eine große britische Bevölkerungsstudie: Gerressu und Kollegen (2008) befragten über 11.000 Erwachsene zwischen 16 und 44 Jahren. Rund 73 Prozent der Männer und knapp 37 Prozent der Frauen gaben an, sich in den vier Wochen vor der Befragung selbst befriedigt zu haben. Du bist damit also alles andere als allein.
Die Studie zeigte außerdem, dass Selbstbefriedigung nicht einfach ein Ersatz für fehlenden Sex ist. Bei Frauen hing sie mit häufigerem Sex und mehr sexuellen Erfahrungen zusammen, bei Männern eher mit selteneren sexuellen Kontakten. Das zeigt: Menschen nutzen Selbstbefriedigung aus ganz unterschiedlichen Gründen, und keiner davon ist automatisch ein Warnsignal.
Selbstbefriedigung: Wie oft ist zu oft?
Die ISSM sagt dazu klar: Es gibt keine „normale“ Häufigkeit. Manche Menschen masturbieren täglich, andere wöchentlich, selten oder nie. Auch mehr als viermal pro Woche ist laut ISSM nicht automatisch ein Problem.
Statt nach einer Zahl zu fragen, hilft es, auf drei Dinge zu achten. Die ISSM nennt Selbstbefriedigung dann bedenklich, wenn sie:
- zwanghaft wird, du also aufhören willst und es nicht kannst,
- Arbeit, soziale Kontakte oder Beziehungen beeinträchtigt,
- zu Reizungen im Genitalbereich führt.
Selbstbefriedigung Nachteile: Was dran ist
Viele Sorgen rund um Selbstbefriedigung stammen aus alten Mythen oder aus Foren, nicht aus der Forschung. Interessant ist eine Befragung von Zimmer und Imhoff (2020) mit über 1.000 Männern: Wer auf Masturbation verzichten wollte, tat das vor allem, weil er sie für ungesund hielt. Mit tatsächlich übermäßigem Verhalten hing der Wunsch nach Verzicht dagegen kaum zusammen.
Echte Nachteile entstehen eher indirekt: wenn Selbstbefriedigung fast immer mit Pornos verbunden ist, wenn sie Schlaf kostet, weil sie nachts am Handy passiert, oder wenn sie zur einzigen Art wird, mit Stress, Einsamkeit oder Langeweile umzugehen. Das ist kein Grund zur Scham, aber ein guter Grund, ehrlich hinzuschauen.
Selbstbefriedigung in einer Beziehung
Viele fragen sich, ob Selbstbefriedigung in einer Partnerschaft „okay“ ist. Aus sexualmedizinischer Sicht ist sie kein Zeichen dafür, dass mit der Beziehung etwas nicht stimmt. Schwierig wird es eher, wenn sie heimlich passiert, mit viel Scham verbunden ist oder wenn einer von beiden sich zurückgesetzt fühlt. Dann hilft meist ein ehrliches Gespräch mehr als jede Regel.
Wann wird es ein Problem?
In der ICD-11, der Klassifikation der Krankheiten der WHO, gibt es die Zwanghafte Sexualverhaltensstörung. Kraus und Kollegen (2018) haben die Kriterien beschrieben. Vereinfacht geht es um ein Muster über mindestens sechs Monate, bei dem jemand sexuelle Impulse nicht mehr steuern kann, mit deutlichem Leidensdruck oder Folgen im Alltag. Entscheidend ist also der Kontrollverlust, nicht die Häufigkeit.
Wichtig: Leidensdruck, der allein aus moralischen Bedenken entsteht, reicht laut diesen Kriterien nicht für die Diagnose. Grubbs und Kollegen (2019) zeigten zudem, dass das Gefühl, „süchtig“ zu sein, oft stärker mit einem Konflikt zwischen eigenen Werten und Verhalten zusammenhängt als mit der tatsächlichen Menge. Auch dann darfst du etwas ändern, du musst dafür aber nicht „krank“ sein.
Selbstbefriedigung und Pornos sind nicht dasselbe
Viele, die „mit Selbstbefriedigung aufhören“ wollen, meinen eigentlich die Pornos. Das ist ein wichtiger Unterschied. Pornos bringen eigene Fragen mit: endlose Neuheit, lange Nächte, Inhalte, die mit der Zeit extremer werden. Selbstbefriedigung ohne Pornos ist für viele ein ruhiger, gesunder Mittelweg. Mehr dazu im Artikel Masturbation ohne Pornos. Ob dein Pornokonsum aus dem Ruder läuft, kannst du unter Pornosucht erkennen prüfen.
Selbstbefriedigung Hilfe: Was du tun kannst
- Beobachten statt bewerten: Notiere eine Woche lang, wann und in welcher Stimmung es passiert. Muster sind wertvoller als Zahlen.
- Auslöser entschärfen: Wenn es fast immer nachts mit dem Handy passiert, ist das der Hebel, nicht die Selbstbefriedigung an sich.
- Andere Wege für Stress finden: Bewegung, Kontakt zu Menschen, ein fester Feierabend-Ablauf.
- Bei Schmerzen oder Reizungen: Lass das ärztlich abklären, etwa bei einer Urologin oder einem Hausarzt.
- Bei starkem Leidensdruck: Sprich mit einer Ärztin, einer Therapeutin oder einer Beratungsstelle. Das ist kein Zeichen von Schwäche.
Was das für dich heißt
Es gibt keine Zahl, die dir sagt, ob du „normal“ bist. Die bessere Frage lautet: Entscheidest du, oder entscheidet der Autopilot? Wenn du vor allem von Pornos wegkommen willst, kannst du in Dopawise genau dieses Ziel wählen, ohne dass Selbstbefriedigung als Rückfall zählt.
Häufige Fragen
Selbstbefriedigung: Wie oft ist normal?
Eine normale Häufigkeit gibt es nicht. Laut der International Society for Sexual Medicine reicht die Spanne von täglich bis nie. Entscheidend ist, ob du die Kontrolle hast und ob es deinen Alltag beeinträchtigt.
Hat Selbstbefriedigung Nachteile?
Selbstbefriedigung selbst gilt in der Sexualmedizin nicht als schädlich. Probleme entstehen eher, wenn sie zwanghaft wird, Schlaf oder Beziehungen belastet oder fast immer mit Pornos verbunden ist. Bei Schmerzen oder Reizungen solltest du das ärztlich abklären lassen.
Ab wann ist Selbstbefriedigung zu viel?
Nicht eine Zahl entscheidet, sondern Kontrollverlust und Leidensdruck. Wenn du aufhören willst und es nicht schaffst oder Arbeit und Beziehungen leiden, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Wo finde ich Hilfe bei Selbstbefriedigung?
Ein erster Schritt ist, ehrlich zu beobachten, wann und warum es passiert. Bei starkem Leidensdruck helfen Ärztinnen, Therapeuten oder Beratungsstellen. Wenn es dir vor allem um Pornos geht, können Apps und klare Wenn-dann-Pläne unterstützen.
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Quellen
- International Society for Sexual Medicine (ISSM): What is the „normal“ frequency of masturbation? www.issm.info/sexual-health-qa/what-is-the-normal-frequency-of-masturbation
- Gerressu, M., Mercer, C. H., Graham, C. A., Wellings, K., & Johnson, A. M. (2008). Prevalence of Masturbation and Associated Factors in a British National Probability Survey. Archives of Sexual Behavior, 37(2), 266–278. doi.org/10.1007/s10508-006-9123-6
- Zimmer, F., & Imhoff, R. (2020). Abstinence from Masturbation and Hypersexuality. Archives of Sexual Behavior, 49(4), 1333–1343. doi.org/10.1007/s10508-019-01623-8
- Kraus, S. W. u. a. (2018). Compulsive sexual behaviour disorder in the ICD-11. World Psychiatry, 17(1), 109–110. doi.org/10.1002/wps.20499
- Grubbs, J. B., Perry, S. L., Wilt, J. A., & Reid, R. C. (2019). Pornography Problems Due to Moral Incongruence: An Integrative Model with a Systematic Review and Meta-Analysis. Archives of Sexual Behavior, 48(2), 397–415. doi.org/10.1007/s10508-018-1248-x