Sex & Beziehung · 7 Min. Lesezeit

Erektionsprobleme durch Masturbation? Was dahintersteckt und was hilft

Erektionsprobleme durch zu viel Masturbation? Was Studien sagen, warum die Technik oft wichtiger ist als die Häufigkeit, welche Rolle Pornos spielen und wann du zum Arzt solltest.

Kurz gesagt
  • Erektionsprobleme sind bei jungen Männern häufig. In einer Schweizer Studie betraf es fast jeden Dritten.
  • Die Häufigkeit des Masturbierens spielte in einer großen Studie keine wichtige Rolle, problematischer Pornokonsum schon.
  • Eine sehr feste, immer gleiche Technik kann den Sex mit anderen erschweren. Das lässt sich umgewöhnen.

„30 Jahre alt und verzweifelt: Erektionsprobleme durch zu viel Masturbation oder doch körperlich?“ So lautet ein Beitrag auf Reddit, und er ist kein Einzelfall. Wenn es im Bett nicht klappt, sucht man schnell nach einem Schuldigen. Das Masturbieren liegt da nahe. Ganz so einfach ist es aber nicht.

Erst mal: Du bist nicht allein

Erektionsprobleme sind bei jungen Männern viel häufiger, als die meisten denken. In einer Studie mit jungen Männern aus der Schweiz berichteten 30 Prozent von Erektionsproblemen (Mialon u. a., 2012). Am stärksten hing das mit der psychischen Gesundheit zusammen. In einer internationalen Online-Befragung hatten gut 21 Prozent der sexuell aktiven Männer zwischen 18 und 35 zumindest leichte Erektionsprobleme (Jacobs u. a., 2021).

Liegt es an der Häufigkeit?

Eher nicht. In der Studie von Jacobs und Kollegen (2021) mit über 3.400 jungen Männern spielte die Häufigkeit des Masturbierens für Erektionsprobleme keine wichtige Rolle. Was dagegen mit einem höheren Risiko zusammenhing, war problematischer Pornokonsum, also Pornos, die sich nicht mehr kontrollieren lassen.

Ganz eindeutig ist die Lage aber nicht. Landripet und Štulhofer (2015) fanden in mehreren europäischen Stichproben kaum einen Zusammenhang zwischen Pornokonsum und Erektionsproblemen. Grubbs und Gola (2019) kamen zu einem ähnlichen Ergebnis. Fallberichte aus der Praxis beschreiben dagegen Männer, bei denen sich die Probleme nach einer Pornopause besserten (Park u. a., 2016). Mehr dazu im Artikel Erektionsprobleme durch Pornos.

Oft ist die Technik wichtiger als die Häufigkeit

Manche Männer gewöhnen sich über Jahre an eine sehr bestimmte Art zu masturbieren: fester Griff, schnelles Tempo, immer gleiche Position, dazu ein Video. Beim Sex mit einer Partnerin oder einem Partner ist der Reiz dann ganz anders. Die Erektion lässt nach, oder der Orgasmus kommt nicht.

In der Sexualtherapie heißt das „idiosynkratische Masturbation“, umgangssprachlich „Death Grip“. Perelman (2005) beschrieb es als wenig erforschten Faktor bei verzögertem Samenerguss. Belastbare Zahlen gibt es kaum, in der Praxis ist das Muster aber gut bekannt.

Kopf, Druck und Angst

Sehr oft spielt der Kopf mit. Einmal klappt es nicht, beim nächsten Mal denkst du daran, und genau das macht es schwerer. Dieser Kreislauf aus Druck und Versagensangst ist einer der häufigsten Gründe bei jungen Männern. Dass in der Schweizer Studie die psychische Gesundheit der stärkste Faktor war, passt dazu (Mialon u. a., 2012).

Was du selbst tun kannst

  • Technik ändern: Weniger Druck, langsamer, mit Gleitgel, auch mal ohne Video. Das Ziel ist ein Reiz, der näher an Sex mit einem Menschen liegt.
  • Pornos weglassen oder reduzieren: Wenn du merkst, dass du ohne Video kaum noch eine Erektion bekommst, ist eine Pause einen Versuch wert. Tipps unter Masturbation ohne Pornos.
  • Seltener vor dem Sex: Wer kurz vorher masturbiert hat, braucht oft länger. Das ist normal und kein Defekt.
  • Druck rausnehmen: Sag deiner Partnerin oder deinem Partner, was los ist. Ein Abend ohne „Ziel“ nimmt oft mehr Druck als jede Technik.
  • Schlaf, Bewegung, weniger Alkohol: Das klingt banal, wirkt sich aber direkt auf Erektionen aus.

Wann du zum Arzt solltest

Lass es abklären, wenn die Probleme über Wochen anhalten, wenn auch morgens keine Erektion mehr kommt, wenn du Schmerzen hast oder wenn du Medikamente nimmst. Erektionsprobleme können auch ein frühes Zeichen für Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes oder Hormonstörungen sein. Erste Anlaufstelle ist die Hausärztin oder ein Urologe. Bei psychischem Druck hilft eine Sexualtherapie oder Sexualberatung.

Was das für dich heißt

Häufiges Masturbieren allein macht laut Studienlage wahrscheinlich keine Erektionsprobleme. Die Technik, Pornos und vor allem Druck im Kopf spielen oft eine größere Rolle, und an allen dreien lässt sich etwas ändern. Wenn du dabei Pornos weglassen willst, unterstützt dich Dopawise im Moment, in dem du denkst: nur noch kurz.

Häufige Fragen

Kann zu viel Masturbation Erektionsprobleme verursachen?

Die Häufigkeit allein spielt laut einer großen Studie keine wichtige Rolle. Eine sehr feste, immer gleiche Technik kann den Sex mit anderen aber erschweren. Problematischer Pornokonsum hing in derselben Studie mit mehr Erektionsproblemen zusammen.

Was ist Death Grip?

So nennt man umgangssprachlich eine sehr feste, schnelle Masturbationstechnik, an die sich der Körper gewöhnt. Beim Sex mit anderen fehlt dann dieser starke Reiz. Weniger Druck, mehr Abwechslung und Geduld helfen meist beim Umgewöhnen.

Sind Erektionsprobleme bei jungen Männern normal?

Sie sind häufig. In einer Schweizer Studie berichteten 30 Prozent der jungen Männer davon. Oft spielen Stress und Versagensangst eine große Rolle.

Wann sollte ich mit Erektionsproblemen zum Arzt?

Wenn sie über Wochen anhalten, auch morgens keine Erektion mehr kommt, du Schmerzen hast oder Medikamente nimmst. Erektionsprobleme können auf körperliche Ursachen wie Herz-Kreislauf-Probleme hinweisen.

Für den Moment, in dem du denkst: nur noch kurz

Dopawise schiebt ein „Warte mal.“ vor Instagram, Safari und Co., wird nachts strenger und sperrt Pornoseiten. Weniger gucken oder ganz aufhören, du entscheidest. Kein Konto, Grundfunktionen kostenlos. Bald im App Store.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Wenn du stark leidest oder Gedanken hast, dir etwas anzutun, wende dich an die Telefonseelsorge (0800 111 0 111, kostenlos, rund um die Uhr) oder an eine Ärztin oder einen Arzt.

Quellen

  1. Mialon, A., Berchtold, A., Michaud, P.-A., Gmel, G., & Suris, J.-C. (2012). Sexual Dysfunctions Among Young Men: Prevalence and Associated Factors. Journal of Adolescent Health, 51(1), 25–31. doi.org/10.1016/j.jadohealth.2012.01.008
  2. Jacobs, T., Geysemans, B., Van Hal, G., Glazemakers, I., Fog-Poulsen, K., Vermandel, A. u. a. (2021). Associations Between Online Pornography Consumption and Sexual Dysfunction in Young Men: Multivariate Analysis Based on an International Web-Based Survey. JMIR Public Health and Surveillance, 7(10), e32542. doi.org/10.2196/32542
  3. Landripet, I., & Štulhofer, A. (2015). Is Pornography Use Associated with Sexual Difficulties and Dysfunctions among Younger Heterosexual Men? The Journal of Sexual Medicine, 12(5), 1136–1139. doi.org/10.1111/jsm.12853
  4. Grubbs, J. B., & Gola, M. (2019). Is Pornography Use Related to Erectile Functioning? Results From Cross-Sectional and Latent Growth Curve Analyses. The Journal of Sexual Medicine, 16(1), 111–125. doi.org/10.1016/j.jsxm.2018.11.004
  5. Park, B. Y. u. a. (2016). Is Internet Pornography Causing Sexual Dysfunctions? A Review with Clinical Reports. Behavioral Sciences, 6(3), 17. Mit späterer Korrektur zu Interessenkonflikten. doi.org/10.3390/bs6030017
  6. Perelman, M. A. (2005). Idiosyncratic Masturbation Patterns: A Key Unexplored Variable in the Treatment of Retarded Ejaculation by the Practicing Urologist. Journal of Urology, 173(4S), 340 (Kongress-Abstract). doi.org/10.1016/s0022-5347(18)35399-0