Zu viel masturbieren: Welche Folgen echt sind und welche nur Mythos
Was passiert, wenn man zu viel masturbiert? Haarausfall, Testosteron, Prostata, Erektion: Ein ehrlicher Check, welche Folgen echt sind und welche nur Mythos.
- Die meisten Horror-Folgen sind Mythen. Weder Haarausfall noch Muskelabbau oder dauerhafter Testosteronverlust sind belegt.
- Echte Folgen sind eher praktisch: Reizungen, Müdigkeit, verlorene Zeit und manchmal Probleme beim Sex mit anderen.
- Häufiger Samenerguss hängt in einer großen Studie sogar mit einem etwas geringeren Prostatakrebs-Risiko zusammen.
Wer „zu viel masturbieren Folgen“ sucht, landet schnell in Foren mit Listen voller Schreckensszenarien: Haarausfall, kein Testosteron, Rückenschmerzen, Gedächtnisprobleme. Vieles davon hält einem Blick in die Forschung nicht stand. Manches aber schon. Hier ist der ehrliche Check.
Mythos: Haarausfall, Akne, Muskelabbau
Für keinen dieser Effekte gibt es gute Belege. Die Idee dahinter ist meist, dass Masturbation Hormone durcheinanderbringt. Ein genauer Check steht im Artikel NoFap Mythen.
Mythos: „Das Testosteron geht verloren“
Die bekannteste Quelle für diese Idee ist eine chinesische Studie mit 28 Männern (Jiang u. a., 2003), nach der der Testosteronwert am siebten Tag ohne Samenerguss kurz ansteigen soll. Die Studie wurde inzwischen vom Journal zurückgezogen. Eine kleine deutsche Studie mit zehn Männern fand nach drei Wochen ohne Sex etwas höhere Testosteronwerte (Exton u. a., 2001). Dass häufiges Masturbieren den Testosteronwert dauerhaft senkt, ist nicht belegt. Mehr dazu unter NoFap und Testosteron.
Mythos: „Schlecht für die Prostata“
Eher im Gegenteil. In einer großen US-Studie mit fast 32.000 Männern, die rund 18 Jahre beobachtet wurden, hatten Männer mit 21 oder mehr Samenergüssen im Monat ein etwas geringeres Risiko für Prostatakrebs als Männer mit 4 bis 7 (Rider u. a., 2016). Das beweist keinen Schutz, weil es eine Beobachtungsstudie ist. Es spricht aber klar gegen die Behauptung, häufiges Masturbieren schade der Prostata.
Echt: Reizungen und wunde Haut
Wer es oft, lange oder mit viel Druck macht, kann Hautreizungen bekommen. Die ISSM nennt Reizungen im Genitalbereich ausdrücklich als einen der Punkte, an denen es bedenklich wird. Meist hilft eine Pause und Gleitgel. Bei Schmerzen, die nicht weggehen, oder Veränderungen an der Haut solltest du zur Ärztin oder zum Urologen.
Echt: Zeit, Schlaf und Energie
Die häufigste Folge ist eine ganz banale: Es kostet Zeit. Besonders, wenn Pornos dabei sind und aus fünf Minuten plötzlich zwei Stunden werden. Wenn das nachts im Bett passiert, geht es auf Kosten des Schlafs. Abends am Handy hängt mit schlechterem Schlaf und mehr Müdigkeit am nächsten Tag zusammen (Exelmans & Van den Bulck, 2016). Die Müdigkeit kommt dann nicht vom Masturbieren, sondern von der verlorenen Nacht.
Teilweise echt: Probleme beim Sex mit anderen
Manche Männer gewöhnen sich an eine sehr bestimmte Technik, etwa mit festem Griff oder schnellem Tempo. Beim Sex mit einer Partnerin oder einem Partner fühlt sich das dann ganz anders an, und der Orgasmus dauert lange oder kommt nicht. In der Sexualtherapie ist das als „idiosynkratische Masturbation“ bekannt, umgangssprachlich auch „Death Grip“. Der Sexualmediziner Perelman (2005) beschrieb das als wenig erforschten Faktor bei verzögertem Samenerguss. Gute Studien mit Zahlen gibt es dazu kaum.
Die gute Nachricht: Das lässt sich meist umgewöhnen, mit weniger Druck, mehr Abwechslung und Geduld. Mehr dazu unter Erektionsprobleme durch Masturbation?
Teilweise echt: Lust auf Sex nimmt ab
Wer direkt vorher masturbiert hat, hat oft weniger Lust auf Sex. Das ist normal. Zum Thema wird es erst, wenn es dauerhaft so ist und einer von beiden darunter leidet. Hilfreich ist dann eher ein ehrliches Gespräch als eine strenge Regel, siehe Keine Lust auf Sex.
Die eigentliche Frage
Die meisten körperlichen Folgen sind kleiner, als Foren behaupten. Die größere Frage ist eine andere: Entscheidest du, oder entscheidet der Autopilot? Wenn du es seltener machen willst, findest du Tipps unter Masturbieren abgewöhnen. Ob es schon zwanghaft ist, erklärt der Artikel Masturbationssucht.
Was das für dich heißt
Lass dich nicht von Haarausfall-Geschichten verunsichern. Schau lieber auf die echten Kosten: Schlaf, Zeit und wie es dir danach geht. Dopawise setzt genau da an, mit einer kurzen Pause, wenn du nachts die Apps öffnest, bei denen es meistens anfängt.
Häufige Fragen
Was passiert, wenn man zu viel masturbiert?
Körperlich meist wenig. Mögliche Folgen sind Hautreizungen, Müdigkeit durch verlorenen Schlaf und manchmal Probleme, beim Sex mit anderen zum Orgasmus zu kommen. Haarausfall, Muskelabbau oder dauerhafter Testosteronverlust sind nicht belegt.
Ist häufiges Masturbieren schlecht für die Prostata?
Dafür gibt es keine Belege. In einer großen Studie hatten Männer mit 21 oder mehr Samenergüssen im Monat sogar ein etwas geringeres Prostatakrebs-Risiko als Männer mit 4 bis 7.
Senkt Masturbieren das Testosteron?
Dafür gibt es keine Belege. Die bekannte Studie zur „Testosteron-Spitze am 7. Tag“ wurde zurückgezogen, und die übrigen Studien sind sehr klein. Ein dauerhafter Effekt ist nicht belegt.
Wann sollte ich zum Arzt?
Bei Schmerzen, die nicht weggehen, bei Veränderungen an der Haut, bei anhaltenden Erektions- oder Orgasmusproblemen oder wenn dich das Thema stark belastet.
Für den Moment, in dem du denkst: nur noch kurz
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Quellen
- Jiang, M. u. a. (2003). A research on the relationship between ejaculation and serum testosterone level in men. Journal of Zhejiang University SCIENCE A, 4(2), 236–240. Inzwischen zurückgezogen (Retracted). doi.org/10.1631/jzus.2003.0236
- Exton, M. S. u. a. (2001). Endocrine response to masturbation-induced orgasm in healthy men following a 3-week sexual abstinence. World Journal of Urology, 19(5), 377–382. doi.org/10.1007/s003450100222
- Rider, J. R., Wilson, K. M., Sinnott, J. A., Kelly, R. S., Mucci, L. A., & Giovannucci, E. L. (2016). Ejaculation Frequency and Risk of Prostate Cancer: Updated Results with an Additional Decade of Follow-up. European Urology, 70(6), 974–982. doi.org/10.1016/j.eururo.2016.03.027
- International Society for Sexual Medicine (ISSM): What is the „normal“ frequency of masturbation? www.issm.info/sexual-health-qa/what-is-the-normal-frequency-of-masturbation
- Exelmans, L., & Van den Bulck, J. (2016). Bedtime mobile phone use and sleep in adults. Social Science & Medicine, 148, 93–101. doi.org/10.1016/j.socscimed.2015.11.037
- Perelman, M. A. (2005). Idiosyncratic Masturbation Patterns: A Key Unexplored Variable in the Treatment of Retarded Ejaculation by the Practicing Urologist. Journal of Urology, 173(4S), 340 (Kongress-Abstract). doi.org/10.1016/s0022-5347(18)35399-0