NoFap · 6 Min. Lesezeit

NoFap wie lange? Was hinter 7, 30 und 90 Tagen steckt

7 Tage, 30 Tage, 90 Tage Reboot: Woher die Zahlen bei NoFap kommen, was die Forschung zu Gewohnheiten sagt und welches Ziel für dich realistisch ist.

Kurz gesagt
  • Die „90 Tage Reboot“ sind eine Faustregel aus Online-Communitys, keine wissenschaftlich ermittelte Zahl.
  • Eine Studie zu neuen Gewohnheiten fand: Bis etwas automatisch läuft, dauerte es im Mittel rund 66 Tage, mit großer Spannbreite.
  • Sinnvoller als eine feste Zahl ist ein erstes, erreichbares Ziel und ein ehrlicher Blick darauf, was sich verändert.

„NoFap wie lange?“ gehört zu den häufigsten Fragen, die Google zu NoFap vorschlägt. Dahinter steckt meistens ein verständlicher Wunsch: Man will wissen, wie lange man durchhalten muss, bis es leichter wird. Am liebsten mit einer klaren Zahl. Die ehrliche Antwort ist etwas unbequemer, aber auch entlastender.

Woher die üblichen Zahlen kommen

In Foren und Apps tauchen immer wieder dieselben Marken auf: 7 Tage, 30 Tage, 90 Tage. Die 7 Tage gehen oft auf den Mythos einer Testosteron-Spitze zurück. Die Studie dahinter wurde allerdings zurückgezogen, mehr dazu in unserem Mythos-Check zu NoFap und Testosteron. Die 30 Tage sind schlicht ein Monat, ein runder, greifbarer Zeitraum.

Die 90 Tage haben die größte Strahlkraft. Sie stehen für den sogenannten „Reboot“. Fernandez, Kuss und Griffiths (2021) haben 104 Abstinenz-Tagebücher aus einem Online-Forum ausgewertet und beschreiben, was die Community damit meint: Durch den Verzicht soll das Gehirn wie ein Computer auf „Werkseinstellungen“ zurückgesetzt werden. Manche verzichten dabei nur auf Pornos, andere zusätzlich auf Masturbation oder Orgasmus.

Wichtig ist: Die 90 Tage haben sich in solchen Communitys als Faustregel eingebürgert. Es gibt keine Studie, die gezeigt hätte, dass nach genau 90 Tagen etwas Bestimmtes im Gehirn abgeschlossen ist. Auch die Autoren der Tagebuch-Studie betonen, dass Abstinenz als Methode erst noch in prospektiven Studien geprüft werden muss.

Was die Forschung zu Gewohnheiten sagt

Direkt zu NoFap gibt es kaum belastbare Daten. Hilfreich ist aber ein Blick auf die Forschung zu Gewohnheiten allgemein. Lally und Kollegen (2010) begleiteten Freiwillige, die sich eine neue tägliche Gewohnheit vornahmen, etwa ein Glas Wasser zum Mittagessen oder einen kurzen Lauf. Bis die Handlung weitgehend automatisch lief, dauerte es im Mittel rund 66 Tage. Die Spannbreite war aber riesig: von 18 Tagen bis zu geschätzten 254 Tagen.

Zwei Erkenntnisse daraus passen gut zu deiner Frage:

  • Es gibt keine Zahl für alle. Bei manchen läuft eine neue Gewohnheit nach wenigen Wochen, bei anderen dauert es viele Monate.
  • Ein einzelner Ausrutscher wirft dich nicht zurück. In der Studie hatte ein einmal verpasster Tag kaum Einfluss auf den weiteren Verlauf.

Eine alte Gewohnheit loszulassen ist nicht dasselbe wie eine neue aufzubauen. Die Richtung ist aber ähnlich: Es geht um Wiederholung über Wochen und Monate, nicht um einen Stichtag.

Was in den ersten Wochen passiert

Die bisher beste kontrollierte Studie zum Verzicht auf Pornos stammt von Fernandez und Kollegen (2023). Regelmäßige Nutzerinnen und Nutzer verzichteten sieben Tage oder machten weiter wie bisher. Messbare Entzugssymptome fanden die Forschenden nicht. Nur bei Menschen, die sehr häufig und problematisch konsumierten, gab es Hinweise auf stärkeres Verlangen.

Das heißt: Die ersten Tage sind für viele vor allem eine Frage der Gewohnheit. Der Drang kommt zu den bekannten Zeiten, oft abends und nachts. In den Tagebüchern aus der Studie von 2021 beschreiben viele, dass genau diese Gewohnheitsmuster und die vielen Auslöser im Alltag das Durchhalten schwer machten.

Welches Ziel realistisch ist

Statt dir sofort 90 Tage vorzunehmen, kann eine Treppe besser funktionieren:

Erstes Ziel: 7 Tage

Eine Woche ist überschaubar. Du lernst deine typischen Auslöser kennen und merkst, wann es kritisch wird. Wenn du nachts besonders gefährdet bist, ist das wertvolles Wissen.

Zweites Ziel: 30 Tage

Nach einem Monat hast du erlebt, dass Abende ohne Pornos möglich sind. Viele merken jetzt, wie viel Zeit frei wird. Was du realistisch spüren kannst, beschreiben wir in NoFap Effekte.

Drittes Ziel: 90 Tage und mehr

Wenn du so weit kommst, ist das ein guter Meilenstein. Nicht, weil im Kopf dann ein Schalter umgelegt wird, sondern weil drei Monate genug Zeit sind, um neue Routinen wirklich zu verankern.

Woran du merkst, dass es leichter wird

Statt auf einen Stichtag zu warten, kannst du auf kleine Zeichen achten. Viele merken zuerst, dass der Drang zwar noch kommt, aber schneller wieder geht. Andere stellen fest, dass sie abends gar nicht mehr automatisch zum Handy greifen. Manche bemerken, dass sie einen schwierigen Tag überstehen, ohne Pornos als Ventil zu brauchen. Das sind keine wissenschaftlichen Messpunkte, aber es sind die Momente, an denen sich eine Gewohnheit verschiebt.

Hilfreich ist, solche Beobachtungen kurz aufzuschreiben. In schwachen Momenten vergisst man leicht, wie weit man schon gekommen ist. Ein Blick auf die eigenen Notizen erinnert dich daran, dass sich etwas bewegt, auch wenn der Zähler gerade keine runde Zahl zeigt.

Warum die Zahl nicht alles ist

Eine feste Zahl kann motivieren. Sie kann aber auch Druck erzeugen, der nach hinten losgeht. Wer an Tag 40 einen Ausrutscher hat und denkt, jetzt sei alles verloren, gibt oft ganz auf. Die Rückfallforschung nennt das den Abstinenzverletzungseffekt (Marlatt und Gordon, 1985). Warum ein Ausrutscher kein Neustart bei null ist, erklären wir im Artikel zum Rückfall.

Frag dich deshalb lieber: Wie fühlt sich mein Alltag an? Schlafe ich besser? Habe ich mehr Kontrolle als vor einem Monat? Das sind die Fragen, die über die Zeit wirklich etwas zeigen.

Was das für dich heißt

Es gibt keine magische Zahl. Such dir ein erstes Ziel, das du dir zutraust, und schau ehrlich hin, was sich verändert. Dopawise zeigt dir deshalb nicht nur die Tage am Stück, sondern auch alle sauberen Tage seit dem Start, damit ein schlechter Abend nicht deinen ganzen Weg auslöscht.

Häufige Fragen

Wie lange sollte man NoFap machen?

Eine wissenschaftlich festgelegte Dauer gibt es nicht. Viele starten mit 7 oder 30 Tagen und verlängern dann. Wichtiger als die Zahl ist, dass sich dein Alltag so verändert, wie du es dir wünschst.

Woher kommen die 90 Tage beim Reboot?

Die 90 Tage sind eine Faustregel aus Online-Communitys rund um den sogenannten Reboot. Eine Studie, die genau diesen Zeitraum belegt, gibt es nicht. Als Meilenstein kann er trotzdem sinnvoll sein.

Muss ich nach einem Rückfall wieder bei null anfangen?

Nein. Forschung zu Gewohnheiten zeigt, dass ein einzelner verpasster Tag den Gesamtverlauf kaum beeinflusst. Gefährlicher ist der Gedanke, jetzt sei ohnehin alles egal.

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Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Wenn du stark leidest oder Gedanken hast, dir etwas anzutun, wende dich an die Telefonseelsorge (0800 111 0 111, kostenlos, rund um die Uhr) oder an eine Ärztin oder einen Arzt.

Quellen

  1. Fernandez, D. P., Kuss, D. J., & Griffiths, M. D. (2021). The Pornography „Rebooting“ Experience: A Qualitative Analysis of Abstinence Journals on an Online Pornography Abstinence Forum. Archives of Sexual Behavior, 50(2), 711–728. doi.org/10.1007/s10508-020-01858-w
  2. Lally, P., van Jaarsveld, C. H. M., Potts, H. W. W., & Wardle, J. (2010). How are habits formed: Modelling habit formation in the real world. European Journal of Social Psychology, 40(6), 998–1009. doi.org/10.1002/ejsp.674
  3. Fernandez, D. P., Kuss, D. J., Justice, L. V., Fernandez, E. F., & Griffiths, M. D. (2023). Effects of a 7-Day Pornography Abstinence Period on Withdrawal-Related Symptoms in Regular Pornography Users: A Randomized Controlled Study. Archives of Sexual Behavior, 52(4), 1819–1840. doi.org/10.1007/s10508-022-02519-w
  4. Jiang, M. u. a. (2003). A research on the relationship between ejaculation and serum testosterone level in men. Journal of Zhejiang University SCIENCE A, 4(2), 236–240. Inzwischen zurückgezogen (Retracted). doi.org/10.1631/jzus.2003.0236
  5. Marlatt, G. A., & Gordon, J. R. (Hrsg.) (1985). Relapse Prevention: Maintenance Strategies in the Treatment of Addictive Behaviors. New York: Guilford Press.