Masturbieren abgewöhnen oder seltener machen: Was im Alltag wirklich hilft
Du willst seltener masturbieren oder es dir ganz abgewöhnen? Warum es fast immer am Handy anfängt, welche Tricks im Alltag helfen und warum reduzieren völlig okay ist.
- Masturbieren ist nicht schädlich. Wenn es dich trotzdem stört, ist das Grund genug, etwas zu ändern.
- Bei den meisten hängt es an einer festen Situation: nachts im Bett, Handy in der Hand, oft mit Pornos.
- Seltener ist ein legitimes Ziel. Ein fester Plan für den Moment hilft mehr als Willenskraft.
„Ich mache es mir seit Jahren zweimal täglich, ich will das nicht mehr.“ So oder ähnlich steht es in vielen Beiträgen auf Reddit. Wer so etwas schreibt, sucht keine Moralpredigt, sondern einen Weg, der im Alltag funktioniert. Darum geht es hier.
Erst mal: Du musst nicht „krank“ sein, um etwas zu ändern
Masturbieren gilt in der Sexualmedizin als normal und nicht schädlich. Die International Society for Sexual Medicine (ISSM) nennt keine „richtige“ Häufigkeit. Bedenklich wird es erst, wenn es zwanghaft wird oder Arbeit, Kontakte und Beziehungen leiden. Mehr dazu im Artikel Selbstbefriedigung: Wie oft ist normal?
Trotzdem darfst du es seltener machen wollen. Vielleicht kostet es dich Schlaf, vielleicht fühlt es sich eher nach Autopilot an als nach Lust, vielleicht hängen fast immer Pornos dran. Das sind gute Gründe. Du brauchst dafür keine Diagnose.
Was willst du eigentlich loswerden?
Bevor du loslegst, lohnt sich eine ehrliche Frage: Stört dich das Masturbieren selbst, oder stören dich die Pornos dabei? Viele merken beim Hinschauen, dass es eigentlich um die zwei Stunden am Handy geht, nicht um die fünf Minuten danach. Dann ist Masturbation ohne Pornos oft der realistischere Weg.
Wähle ein Ziel, das zu dir passt:
- Seltener: zum Beispiel höchstens jeden zweiten Tag statt zweimal täglich.
- Ohne Pornos: masturbieren ja, Pornos nein.
- Eine Pause: eine feste Zeit ganz ohne, etwa zwei Wochen, um zu sehen, wie es dir damit geht.
Alle drei sind okay. Ganz ohne ist nicht automatisch das bessere Ziel. Einen ehrlichen Vergleich findest du unter Kalter Entzug oder schrittweise.
Finde deine Situation
Gewohnheiten hängen an Situationen. Lally und Kollegen (2010) zeigten, dass Verhalten umso automatischer wird, je öfter es in derselben Situation wiederholt wird. Genau deshalb fühlt es sich manchmal an, als würde es „einfach passieren“.
Notiere eine Woche lang kurz, wann es passiert: Uhrzeit, Ort, Stimmung, Handy ja oder nein. Bei den meisten zeigt sich schnell ein Muster, zum Beispiel:
- nachts im Bett, wenn du eigentlich schlafen willst,
- nach einem stressigen Tag, wenn du runterkommen willst,
- wenn du allein zu Hause bist und dich langweilst,
- morgens, bevor du aufstehst.
Mehr dazu, wie du deine Auslöser findest, steht unter Trigger erkennen.
Sieben Tricks, die im Alltag helfen
- Handy raus aus dem Bett. Lade es nachts außerhalb des Schlafzimmers. Abends am Handy hängt auch mit schlechterem Schlaf zusammen (Exelmans & Van den Bulck, 2016). Hilfe dazu: Nachts am Handy.
- Ein Wenn-dann-Plan. „Wenn ich um Mitternacht noch wach im Bett liege, stehe ich auf und trinke ein Glas Wasser in der Küche.“ Solche Pläne erhöhen die Chance deutlich, dass du dein Ziel erreichst (Gollwitzer & Sheeran, 2006).
- Den Drang aussitzen. Ein Drang steigt an und fällt wieder ab, meist schneller als gedacht. Atme ruhig und beobachte ihn, statt sofort zu reagieren (Bowen & Marlatt, 2009). Mehr dazu unter Drang widerstehen.
- Kurz bewegen. Schon ein paar Minuten zügiges Gehen kann einen akuten Drang abschwächen. Das ist beim Rauchen gut untersucht (Taylor u. a., 2007), und das Prinzip lässt sich gut übertragen.
- Die Lücke füllen. Wenn es vor allem gegen Stress oder Langeweile hilft, brauchst du einen anderen Weg dafür: Sport, Musik, jemanden anrufen, ein fester Feierabend-Ablauf.
- Pornos schwerer erreichbar machen. Jede Hürde zählt, etwa ein Filter oder eine Sperre auf dem Handy. Anleitungen: iPhone und Android.
- Zählen statt hoffen. Notiere die Tage, an denen du dein Ziel geschafft hast. Ein Blick auf die Zahl hilft im schwachen Moment mehr als ein guter Vorsatz.
Wenn es doch passiert
Es wird passieren, besonders am Anfang. Das ist kein Beweis, dass du es nicht kannst. In der Rückfallforschung gilt gerade der Gedanke „Jetzt ist eh alles egal“ als gefährlich, weil er aus einem Ausrutscher eine ganze Woche macht (Marlatt & Gordon, 1985). Frag dich lieber: In welcher Situation war es, und was mache ich da nächstes Mal anders? Mehr dazu unter Rückfall.
Wann du dir Hilfe holen solltest
Wenn du es seit Langem nicht schaffst, obwohl du es wirklich willst, wenn es dich stark belastet oder Schmerzen und Reizungen auftreten, sprich mit einer Ärztin, einem Therapeuten oder einer Sexualberatungsstelle. Anlaufstellen findest du unter Hilfe finden.
Was das für dich heißt
Du musst dich nicht verbieten, du musst dich nur besser kennen. Finde die eine Situation, in der es fast immer passiert, und bau dir genau dafür einen Plan. Dopawise hilft dabei, indem es nachts eine kurze Pause einlegt, wenn du die Apps öffnest, mit denen es meistens anfängt.
Häufige Fragen
Wie kann ich mir das Masturbieren abgewöhnen?
Finde zuerst heraus, in welcher Situation es fast immer passiert, zum Beispiel nachts mit dem Handy. Für genau diese Situation brauchst du einen festen Wenn-dann-Plan. Handy aus dem Schlafzimmer, Pornos sperren und den Drang aussitzen helfen dabei.
Ist es besser, ganz aufzuhören oder es seltener zu machen?
Beides ist okay. Masturbieren ist nicht schädlich, also musst du nicht auf null. Viele kommen mit einem klaren Ziel wie „höchstens jeden zweiten Tag“ oder „ohne Pornos“ besser zurecht als mit einem kompletten Verbot.
Wie lange dauert es, bis es leichter wird?
Das ist sehr unterschiedlich. In einer Studie zu neuen Gewohnheiten dauerte es im Schnitt gut zwei Monate, bis ein Verhalten automatisch lief, mit großer Spanne. Rechne mit Wochen, nicht mit Tagen.
Ist häufiges Masturbieren schädlich?
Laut Sexualmedizin nicht an sich. Es wird dann zum Problem, wenn du die Kontrolle verlierst, wenn es dich belastet oder wenn Alltag und Beziehungen darunter leiden.
Für den Moment, in dem du denkst: nur noch kurz
Dopawise schiebt ein „Warte mal.“ vor Instagram, Safari und Co., wird nachts strenger und sperrt Pornoseiten. Weniger gucken oder ganz aufhören, du entscheidest. Kein Konto, Grundfunktionen kostenlos. Bald im App Store.
Quellen
- International Society for Sexual Medicine (ISSM): What is the „normal“ frequency of masturbation? www.issm.info/sexual-health-qa/what-is-the-normal-frequency-of-masturbation
- Lally, P., van Jaarsveld, C. H. M., Potts, H. W. W., & Wardle, J. (2010). How are habits formed: Modelling habit formation in the real world. European Journal of Social Psychology, 40(6), 998–1009. doi.org/10.1002/ejsp.674
- Exelmans, L., & Van den Bulck, J. (2016). Bedtime mobile phone use and sleep in adults. Social Science & Medicine, 148, 93–101. doi.org/10.1016/j.socscimed.2015.11.037
- Gollwitzer, P. M., & Sheeran, P. (2006). Implementation intentions and goal achievement: A meta-analysis of effects and processes. Advances in Experimental Social Psychology, 38, 69–119. doi.org/10.1016/S0065-2601(06)38002-1
- Bowen, S., & Marlatt, A. (2009). Surfing the urge: brief mindfulness-based intervention for college student smokers. Psychology of Addictive Behaviors, 23(4), 666–671. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20025372/
- Taylor, A. H., Ussher, M. H., & Faulkner, G. (2007). The acute effects of exercise on cigarette cravings, withdrawal symptoms, affect and smoking behaviour: a systematic review. Addiction, 102(4), 534–543. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17286639/
- Marlatt, G. A., & Gordon, J. R. (Hrsg.) (1985). Relapse Prevention: Maintenance Strategies in the Treatment of Addictive Behaviors. New York: Guilford Press.